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Wir trauern um unser langjähriges Stiftungsratmitglied Prof. Dr. Werner Tzscheetzsch (1950 –2021)

Prof. Dr. Werner Tzscheetzsch war von Beginn der Gründung unserer Stiftung im Jahre 2002 bis zu seiner schweren Erkrankung im Jahre 2011 engagierter Stiftungsrat  der „Stiftung Gottesbeziehung in Familen“. Er präzisierte entschieden spezifische Aufgaben angesichts verschiedener Herausforderungen und Familienkonstellationen für die Theorie und Praxis religöser Bildung.

Unsere Stiftung dankt ihm für seine kreativen Initiativen vor allem bei der Auswahl von Leuchtturmprojekten,die wir fördern konnten. Ein erfolgreiche Vorlesungsreihe unserer Stiftung an der Universität Freiburg verdankt sich seiner Idee und Umsetzung.1950 in Freiburg im Breisgau geboren hat er nach dem Studium von katholischer Theologie und Erziehungswissenschaften die kirchlichen Jugendarbeit profiliert und mit engagiertem Weitblick basisnah und erfolgsorientiert weiterentwickelt. Von 1978 bis 1982 war Bildungsreferent beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Freiburg Bei diözesanen Prozessen  der Erzdiözese Freiburg war er schon früh Moderator. 

Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Günter Biemer. 1984 promovierte er mit einer Arbeit zur Ausbildung jugendlicher Gruppenleiter und arbeitete gemeinsam mit Günter Biemer am vierteiligen „Handbuch kirchlicher Jugendarbeit“ im Herder-Verlag. Von 1990 bis 1995 war Werner Tzscheetzsch Direktor der Katholischen Akademie für Jugendfragen in Altenberg (Bistum Köln).

Seine Habilitation zum grundlegend wichtigen Thema „Gott teilt sich mit: Heilsgeschichte im Religionsunterricht“ erschien 2002 im Schwabenverlag. 1995 erfolgte der Ruf zum Professor für Pädagogik und Katechetik an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg, wo Tzscheetzsch bis 2009 lehrte.

Ein Berufung an die Universität Wien lehnte er ab. Viele Semester wirkte er mit großer Resonanz als Lehrbeauftragter für Kirchliche Jugendarbeit am Lehrstuhl und Religionspädagogik, Kerygmatik und kirchliche Erwachsenenbildung der

Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen sowie am Institut für Katechetik und Religionspädagogik an der Universität Salzburg.

Tzscheetzsch arbeitete in verschiedenen  Bereichen der religiösen Bildung – zahlreiche Publikationen zum Religionsunterricht, sondern auch zu Jugendalter, Jugendarbeit, Katechese und Erwachsenenbildung belegen seine Forschungserfolge.

Als Vorsitzender der  Arbeitsgemeinschaft Katholische Religionspädagogik und Katechetik (AKRK) und Vorsitzender der Deutschen Sektion der Europäischen Gesellschaft für Theologie (ET). war er auch überregional  nachhaltig einflussreich.

Die Anliegen des peruanischen Befreiungstheologen Gustavo Gutierres griff er nach einem Forschungsseminar 1988 in Lima auf. Er war massgeblich –gemeinsam mit Prof.Dr. Gisbert Grehake – an der Verleihung der Ehrendoktorwürde für die Leiterin von peruanischen Basisgemeiden am Titicacsee  und Publizistin Cristy Orzechowski durch die Freiburger theologische Fakultät beteiligt.

2009 gab er nach langen Überlegungen seine kirchliche Lehrbefugnis aus freien Stücken zurück,was viele bis heute bedauern. Danach arbeitete er bis zu seiner krankheitsbedingt vorzeitigen Emeritierung auf der eigens für ihn eingerichteten Professur für Schul- und Sozialpädagogik am Institut für Pädagogik der Universität Freiburg.

Gefragt war er auch als Referent für zahlreiche religionspädagogische Themen über kirchliche Jugendarbeit hinaus: Die Erforschung der Berufsbiografien von Religionslehrkräften (vgl. Feige, Andreas / Dressler, Bernhard / Werner Tzscheetzsch (Hrsg.) Religionslehrerin oder Religionslehrer werden. Zwölf Analysen berufsbiografischer Selbstwahrnehmung, Ostfildern 2006. – Die Evaluation konfessioneller Kooperation in Baden-Württemberg: vgl. Lothar Kuld / Friedrich Schweitzer / Werner Tzscheetzsch / Joachim Weinhardt: Im Religionsunterricht zusammenarbeiten.

Evaluation des Modells der konfessionell-kooperativen Religionsunterricht in Baden-Württemberg, Stuttgart 2009.Dieses Projekt wurde angesichts mancher Vorbehalte  für die weitere Konturierung des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts in Baden-Württemberg hochrelevant.

Viele Rückmeldungen von ehemaligen Studierenden und seinem Schülerkreis verweisen auf seine lebensnahen und authentischen Suchprozesse auch in  der Hochschuldidaktik.Bereits als studentischer Mitarbeiter brachte er  – gemeinsam mit der Sozialpädagogin Irene Klein – 1974/75 in ein hochschuldidaktisch innovatives Jugendarbeitsseminar seine  Erfahrungen mit Themenzentrierter Interaktion (TZI) in das Lehrstuhlteam Günter Biemer ein. Daraus entstanden erstmals  in der Lehre an einer katholisch-theologischen Fakultät regelmässige TZI Kommunikationstrainingseminare. 

Seine Fortbildungen waren auf Grund seiner charismatischen Persönlichkeit und authentischen Ausstrahlung legendär. Das von ihm weiterentwickelte Modul „Kollegiale Beratung in Schulen“ wurde überregional abgerufen. Nicht nur die Freiburger,sondern auch die gesamte deutschsprachige Religionspädagoik verliert mit Werner Tzscheetzsch einen  hochbegabten und kantigen  Menschen,der in verschiedenen Sprachebenen und Kommunikationszusammenhängen viele motivieren und begleiten konnte.
 

Prof. Dr. Albert Biesinger
Prof. Dr. Reinhold Boschki
Prof. Dr. Helga Kohler-Spiegel
Prof. Dr. Friedrich Schweitzer

 

Kleine Menschen große Fragen

Episode 1

Episode 2

Episode 3

Mit und für Kinder | Links zu externen Inhalten

Kindern Gottesbegegnung ermöglichen

Textbeitrag aus dem Benjamin Elternbrief 012021

Die Stiftung Gottesbeziehung in Familien fördert religiöse Erziehung in Familien. Die Mitbegründer Albert Biesinger, katholischer Religionspädagoge, und sein evangelischer Kollege Friedrich Schweitzer von der Universität Tübingen im Gespräch über veränderte Lebenswelten und gemischt-konfessionelle Familien.

FS: Wir haben in einer großen Studie festgestellt: Die Prägewirkung in der Familie auf die zukünftige religiöse Bildung der Kinder ist sehr stark. Wenn ihnen in frühen Jahren nichts angeboten wird, bleiben ihnen Glauben und Religion auf lange Jahre verschlossen. Unser Ziel ist es, die Aufmerksamkeit der Religionspädagogik stärker auf diesen famili-ären Bereich zu lenken. Die Kirchen tun sich da schwer, auch wenn sie inzwischen schon aktiver sind. Es ist zu spät, erst fünf, sechs Jahre nach der Taufe Kinder, bzw. Familien mit Kindern anzusprechen. Es ist nötig, Kindern auf einer breiten Basis Zugänge zu Religion zu eröffnen.
AB: Ja, es geht uns in erster Linie um die Kinder, nicht um Nachwuchsmar-keting für die Kirchen. Der Grundgedanke ist, dass die religiöse Dimen-sion, also eine spirituelle Entwicklung zu einer gesunden Entwicklung eines Kindes gehört.
FS: ... wie ich finde, zu den Grund-rechten eines Kindes gehört!

AB: Und wir wollen Eltern helfen, ihre Kinder bei der Entwicklung von Werten, positiven Weltanschauungen und Sinngebung kompetent zu begleiten. Wir erleben auf unseren Vorträgen so viele Eltern, die Unterstützung suchen. Religiöse Erziehung – wie geht das eigentlich? Sie wünschen sich alltagsnahe, konkrete Hilfe. Ja, es gibt so etwas wie religiöse Elternkompetenz, und wir wollen da eine unspektakuläre Anleitung zur Selbstleitung anbieten. 
FS: Da muss man auch sehen, dass sich die Realität der Familien gewandelt hat. Viele Kinder sind ab dem zweiten Lebensjahr in der Kita. Deshalb auch unser Fokus auf pädagogische Fachkräfte, auf Elternarbeit in der Kita. Wir müssen über Netzwerke der Familien wirken. Unsere Filmclips etwa sind gute Gesprächsimpulse für Elternabende. Gerade sind wir dabei, eine neue Staffel zu machen.
AB: Zur Realität der Familien: Traditionelle Familienmodelle sind keine Grundlage mehr. Da ist auch eine Mentalitätsänderung fällig. 
FS: Wir fördern deshalb auch die konfessionelle Kooperation, ähnlich wie in der Grundschul-Pädagogik. Inzwischen ist es doch so: Es gibt schon genauso viele Kinder aus gemischt-konfessionellen Elternhäusern wie evangelische Kinder. 

AB: Wo finden jene Kinder in der Praxis Unterstützung? Oder ihre Eltern, die in der Hinsicht – oft auch durch ihr Umfeld – überfordert sind. Dabei kann es ganz einfach sein: Bei gegenseitigen Besuchen in einer evangelischen, bzw. katholischen Kirche sind es beispielsweise gerade die konkreten Unterschiede, die augenfällig sind, wie das Tabernakel oder die große Bibel auf dem Altar, die zu Diskussionen und Interesse über weitergehende Themen unter den Kindern führen.   
FS: Kinder sollen selbst Einblick nehmen können in Gemeinsamkei-ten und Unterschiede. Wir betonen: «konfessionell kooperativ». Das heißt: Gemeinsamkeiten stärken, Unterschieden gerecht werden. Und möglichst nicht von oben verordnet. AB: Und realitätsnah! Kinder kommen ja mit konfessionellen Zugehörigkeiten. Es wäre falsch, zu sagen, es gebe keine Unterschiede. Aber sie können sie gegenseitig kennenlernen und voneinander lernen. Die Vielfalt kann zur Geltung kommen. 

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